Interview mit Andrea Halmy
Heute stellen wir Andrea Halmy, Gründerin und Inhaberin der Firma BeYourBest4Success GmbH, beyourbest4success.com vor.
Sie ist Seminarleiterin für das Angebot: «Ich mache mich selbstständig».

Wie würdest du dich selbst kurz beschreiben?
Als ich 2018 meine Firma gegründet habe, kamen viele auf mich zu und meinten wie mutig ich doch sei. Das hat mich irritiert, denn ich hätte mich damals selbst nicht so beschrieben. Auch ein Persönlichkeitstest, um herauszufinden, ob ich eine gute Unternehmerin wäre, beschied mir eine eher geringe Risikofreudigkeit. Es braucht meiner Meinung nach keinen Mut, sich selbstständig zu machen, sondern den Wunsch, es zumindest versuchen zu wollen. Wichtig ist der Wille, sich von all den Gründen, die dagegen sprechen, nicht abhalten zu lassen und eine grundlegende finanzielle Planung bereits zu Beginn. Ich würde niemandem empfehlen, ohne Plan zu starten, aber auch nicht alles bis ins letzte Detail zu planen. Beides funktioniert nicht. Seit Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich mehr über mich gelernt als in all den Jahren zuvor. Vor allem, dass ich mir mehr zutrauen darf und nicht alles perfekt sein muss. In dem Sinne bin ich tatsächlich mutiger geworden.
Du bist Inhaberin der Firma BeYourBest4Success. Aus welchem Grund hast du Deine Selbstständigkeit gewählt?
Das war ein schleichender Prozess. Ich mache gerne verschiedene Sachen, bin also eher breit aufgestellt. Im Angestelltenverhältnis sind aber oft die Voraussetzungen dafür nicht gegeben. Meine vielfältige Berufserfahrung möchte ich nicht missen, sie war und ist ein wertvoller Grundstein meiner aktuellen Tätigkeit. Auf einige Vorgesetzte hätte ich jedoch gut verzichten können. Ich hatte den Wunsch, meinen Job abwechslungsreicher gestalten zu können, als das in einer Firma möglich ist. Ausserdem wollte ich eigene Entscheidungen treffen und für diese die volle Verantwortung übernehmen. Das alles hat mich letztlich dazu motiviert, den Versuch, Selbstständigkeit zu wagen. Ich sage bewusst Versuch. Nach einem Jahr habe ich Zwischenbilanz gezogen und entschieden, weiterzumachen. Und auch wenn es nach einem Jahr finanziell noch nicht gereicht hat, konnte ich mir nichts mehr anderes vorstellen. Nun bin ich seit etwas mehr als 5 Jahren selbstständig, mit allen Hochs und Tiefs.
Du leitest den Workshop «Ich mache mich selbstständig.» Warum gibt es so wenig Gründerinnen?
Fakt ist, in der Schweiz gab es noch nie so viele Firmengründungen wie im ersten Halbjahr 2023. Der Anteil der Gründerinnen ist mit 30 Prozent allerdings weiterhin tief. Personen mit ausländischer Nationalität gründen häufiger als Schweizer:innen. Ich denke, dass in der Schweiz noch zu wenig Anreize bestehen, sich selbstständig zu machen. Die meisten von uns verdienen im Angestelltenverhältnis gut und am Ende des Monats ist der Lohn auf dem Konto, das gibt Sicherheit. Da Männer im Durchschnitt noch immer mehr verdienen als Frauen und eine externe Kinderbetreuung das Familienbudget übermässig stark belastet, ändert sich an der traditionellen Rollenaufteilung wenig. Meistens übernimmt die Frau die Kinderbetreuung. Manche sind auch in der komfortablen Situation, dass es finanziell reicht, wenn nur der Partner arbeiten geht. Dies ändert sich in der Regel schlagartig, wenn sich ein Paar trennt und die Frau darauf angewiesen ist, erwerbstätig zu werden. Ein anderes Problem ist, dass viele Frauen sich eine Selbstständigkeit nicht oder zu wenig zutrauen. Sie fokussieren sich mehr auf die Gründe, die dagegen sprechen. Männer sind in der Regel etwas risikofreudiger und abenteuerlustiger. Dabei sind Frauen statistisch gesehen, die erfolgreicheren Unternehmerinnen.
Kann eine Farb- und Stilberaterin auch eine Teilselbstständigkeit ins Auge fassen? Was spricht dafür, was dagegen?
Der Anteil Neugründungen in der Friseur- und Kosmetikbranche ist im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gestiegen und steht damit an dritter Stelle. Das zeigt, dass eine Nachfrage existiert. Eine Teilselbstständigkeit ist für viele Farb- und Stilberater:innen ein guter erster Schritt, ohne grosses Risiko das Fahrwasser zu testen. Sie können für sich herausfinden, was es bedeutet, Unternehmer:in zu sein. Teilselbstständigkeit heisst aber nicht, dass man halbherzig an die Sache ran geht. Und auch wenn man nicht auf das zusätzliche Einkommen angewiesen ist, darf man seine Dienstleistungen nicht unter Wert verkaufen. Mit einer gründlichen finanziellen Planung und einem gut durchdachten Angebot, mit dem man sich von anderen in der Branche unterscheidet, spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Unternehmerisch tätig zu sein, bedeutet zu lernen, was funktioniert und was nicht, und sich immer wieder den sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen.
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Vielen Dank liebe Andrea für das Interview und die wertvollen Inputs. |
